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Ich stehe vor dem Pfandflaschen-Rückgabe-Automat im Supermarkt und werde hysterisch angeblinkt, mit vier Warnhinweisen darauf aufmerksam gemacht, dass ich ein Problem habe. Ich fühle mich wie ein ertappter Kaufhausdieb, denn die Signale geben außerdem einen hartnäckigen ohrenbetäubenden Ton von sich.Vorwurfsvolle Blicke von vorbeieilenden „Shoppern“ begegnen mir. So einfach, und die blickt´s nicht? Es stimmt, zum x-ten Male mache ich es falsch. Ich werfe (und das ist mir gar nicht bewusst) die Flaschen in den Automat und damit ist er schlicht und ergreifend überfordert. Ich zwinge mich zur Ruhe und lege langsam und bedächtig jede einzelne Flasche in die Öffnung. Betreten schlucke ich meinen Ärger und die Ungeduld hinunter und denke an die vielen, vielen Emotionen die ich über die Jahre erlebt, erfahren und auch durchlitten habe. Seit ich Kinder habe, kenne ich Emotionen die mir vorher fremd waren. Sei es Hilflosigkeit in der Babyphase, Sorge um Krankheiten und Gefahren oder auch Verzweiflung, weil Schule nicht jedermanns Sache ist. Ja, ich bin manchmal verzweifelt! Dabei geht es natürlich nicht um eine grundlegende Verzweiflung, die bestimmt viele Menschen weltweit durch die Bedrohung ihrer Existenz empfinden. Nein, es geht um eine Verzweiflung, die dann einsetzt, wenn man mit seinem Latein am Ende ist. Zu sehen, dass Benni noch sechs Schuljahre vor sich, aber wenig Freude und Spaß am Lernen hat, bekümmert mich sehr. Zu sehen, dass Jule mit ein bisschen mehr Einsatz schulisch viel besser sein könnte, macht mich ungeheuer angespannt, und dies gilt es einfach auszuhalten. Zu sehen, wie sich Lena durch drei Fremdsprachen kämpft und ja nicht durchrasseln darf, weil sie der letzte G9-Jahrgang ist, macht mich manchmal ganz kirre. Ratlosigkeit und Frustration sind meine persönlichen Vorboten bevor ich Verzweiflung empfinde. Wenn menschliches Know-how, alles Wissen und Denken keine sichtbaren Erfolge mehr erbringt, was dann? Wenn Strukturen für uns nicht funktionieren, weil mein Kind aus der Norm fällt, was dann? Spätestens jetzt streift mein banges Herz ein „dennoch“ oder „aber“, denn die Verzweiflung darf nie die Endstation sein. Jetzt wird der Glaube aktiviert der überwindet. Der Glaube daran, dass Gott meine Kinder (und auch mich) wunderbar gemacht hat; Der Glaube daran, dass sie eine gute Zukunft vor sich haben werden und der Glaube daran, dass sie ihren eigenen Weg in diese Zukunft bahnen werden. Dabei muss ich ihnen zugestehen, dass sie sich auch eigen-willig entwickeln dürfen. Benni zum Beispiel interessiert sich zunehmend fürʻs Kochen und Backen. Wenn er mich in der Küche werkeln sieht, bindet er sich eine Schürze um und hilft. Ich sehe er hat Spaß daran. Wir beginnen, gemeinsam Gerichte zu planen und zu kochen und plötzlich bekomme ich Hoffnung für seine Zukunft. Ich habe Anlagen entdeckt, die ich fördern und mitformen kann. Da lassen wir Schule Schule sein und stehen vergnügt miteinander in der Küche. Wir begegnen einander und Verzweiflung weicht Freude und Zuversicht. Ein wichtiger Grundsatz in meiner Einstellung als Mutter ist, dass ich die negativen Gefühle nie über die positiven und das Gute siegen lasse. Mögen Situationen noch so verfahren oder schwer zu begreifen sein, unsere Kinder haben es verdient, gelobt und wertgeschätzt zu werden. Die Verzweiflung darf meinenFelsen-Glauben nicht sprengen, daran halte ich fest. Und trotzdem ist sie manchmal da, die Verzweiflung und sie gehört auch zu meiner Geschichte. Neulich hatte ich eine Begegnung mit einer Mutter, die mir über die Schulsituation ihres Kindes berichtete und ihre Verzweiflung zum Ausdruck brachte. Von Herzen konnte ich ihr sagen: “Ich verstehe Dich!“
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