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Starke Familien halten zusammen
Geschrieben von Angela Zeidler-Frész   
Eltern sind Privilegierte, die gemeinsam mit dem Schöpfer die nächste Generation hervorbringen und auf das Leben vorbereiten. Und nicht nur das. Wir haben dadurch sogar die Möglichkeit die kommenden Generationen mit dem was uns wichtig und WERT-voll ist zu beeinflussen. Familie ist Gottes Zukunfts-Werkstatt. Denn unsere Kinder werden die Väter und Mütter unserer Enkel sein. Ist das nicht eine begeisternde Perspektive?

Für ein erfolgreiches Zusammenleben sind jedoch gewisse Rahmenbedingungen notwendig, z.B. Hingabe. Das bestätigt eine Langzeitstudie, die seit 25 Jahren mit 18.000 Familien aus 27 Nationen durchgeführt wird. Starke Familien zeigen ein hohes Maß an Hingabe aneinander. In guten und schlechten Zeiten halten sie zusammen. Im Duden wird Hingabe als „ein rückhaltloses Sich-hingeben an jemanden oder etwas“ beschrieben.
Wie sieht es aus mit meiner Hingabe-Bereitschaft an meine Familie: meinen Ehepartner, meine Kinder? Bin ich bereit meine Karriere, meine gesellschaftliche Anerkennung, meine Bequemlichkeit zurück zu stellen, wenn meine Familie mich braucht? Ganz praktisch: wie verhalte ich mich, wenn das Baby statt zu schlafen, nachts herumgetragen werden möchte; wenn unsere Kleinkinder ständig unsere Gespräche unterbrechen und Aufmerksamkeit fordern; wenn mein Mann ausgerechnet heute Fußball schauen will, wo der Rosamunde Pilcher Film läuft; wenn ich meine Frau zum Einkaufsbummel begleiten soll, obwohl das das Letzte ist, was ich mir freiwillig zumuten würde; wenn mein Sohn/meine Tochter unbedingt meine ungeteilte Aufmerksamkeit braucht, aber diese Woche so viele wichtige Gemeindetermine wahrzunehmen sind; wenn meine Frau krank wird und ich den Haushalt und die Kinder übernehmen muss? Wie sieht es dann mit meiner Hingabe-Bereitschaft aus? Wofür wir uns tatsächlich einsetzen, zeigt was uns wirklich wichtig ist. In Matthäus 6,21 heißt es: „Denn wo dein Schatz ist, da wird auch dein Herz sein.“  

Mancher fragt sich, ob es überhaupt möglich ist ein Leben lang treu und hingegeben zu sein. Enttäuschungen, Krankheit, eine Fehlgeburt, der Tod einer geliebten Person... oder auch Unzufriedenheit können Krisen auslösen und zum Stolperstein werden. Aus menschlicher Sicht lohnt sich Hingabe solange unsere persönlichen Wünsche, Bedürfnisse und Erwartungen erfüllt werden. Vielleicht haben wir  unrealistische Erwartungen und müssen uns an dieser Stelle erst mal von den unrealistischen Bildern und Idealen verabschieden, die Hollywood uns so erfolgreich vermittelt hat. Heirat und Familie ist weder meine Rettung vom Single-Dasein „ohne ihn/sie kann ich nicht leben!“, noch die Erfüllung meines sonst Sinn-losen Lebens. Ehe ist auch kein fertiges Haus, in das wir mit der Eheschließung einziehen. Sondern vielmehr eine Baustelle, an der es immer etwas weiterzubauen, umzubauen oder zu renovieren gibt.

Aus biblischer Sicht ist die Ehe eine Bundesbeziehung: ein Bund zwischen Mann und Frau und Gott. Kein sozialer Vertrag, sondern göttlicher Auftrag. Gott betont im Bund die Loyalität der Beziehungen zu ihm und zum Partner. Im Gegensatz zu einem Vertrag, dessen Wesen auf Misstrauen beruht, und der einfach aufgelöst werden kann, wenn sich die Umstände ändern, beruht das Wesen eines Bundes auf Vertrauen, Hingabe und Treue. Vor dem Traualtar haben wir einander versprochen „Ich will dir treu sein bis der Tod uns scheidet.“ Doch wie steht es mit meinem Versprechen, wenn meine Wünsche und Bedürfnisse nicht erfüllt werden; wenn ich mich zum 150sten mal darüber aufrege, dass er auf der Autobahn rast, oder sie immer alle Schranktüren und Schubladen offen lässt; wenn wir unterschiedliche Wahrnehmungen und Meinungen haben und wieder einmal feststellen „wir verstehen einander nicht“? Ganz ehrlich - wer hat in solchen Situationen nicht schon mal daran gedacht den Ehepartner zu verlassen? Dann ist Hingabe gefragt!

Die Geschichte von Dr. Robertson McQuilkin beindruckt mich und fordert mich heraus. Er war 22 Jahre lang der Präsident der Columbia University in South Carolina, USA, als seine Frau an Alzheimer erkrankte. Auf dem Höhepunkt seiner Karriere entschied er sich seine Stellung und die damit verbundene gesellschaftliche Anerkennung, den Erfolg und Wohlstand aufzugeben, um seine Frau zu pflegen. Einige seiner Freunde empfahlen ihm eine Pflegekraft einzustellen oder sie in einem Pflegeheim unterzubringen, damit er frei wäre sich weiterhin seinen Aufgaben zu widmen. Doch er lehnte ab mit der Begründung: „Ich habe Gott an meinem Hochzeitstag ein Versprechen gegeben sie zu lieben, zu schützen und für sie zu sorgen, in guten und schlechten Zeiten, in Gesundheit und Krankheit, so lange wir beide leben. Meine Frau braucht mich und ich werde sie in dieser letzten Phase ihres Lebens begleiten.“ Was für ein Vorbild von Hingabe!

Hingabe gründet sich auf eingelöste Versprechen und ist das Ergebnis eines Prozesses, dem Vertrauen und Hoffnung vorangehen. Ich mag mich nicht immer danach fühlen, aber ich entscheide mich meiner Ehe und Familie Priorität zu geben. Das kostet Energie, Zeit, Kreativität und Werte-Klarheit.

Angela Zeidler-Frész
 
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